Meine Geschichte beginnt auf einer Treppe
Ich sehe mich noch dort sitzen – fünf Jahre alt, die Knie an die Brust gezogen, den Blick auf die Haustür gerichtet.
Mein kleiner Bruder sollte jeden Moment nach Hause kommen, nach einem langen Krankenhausaufenthalt. Ich hielt den Atem an.
Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als dass alles wieder gut wird.
Dass alles wieder wird wie früher.
Doch als sich die Tür öffnete, war alles anders.
Er erkannte mich nicht.
Und ich saß da – überfordert, allein, unverstanden.
Und in mir diese Frage:
Aus welchem Grund soll ich jetzt stark sein? Ich bin doch erst fünf.
Vom Außen ins Innen – zurück zu sich selbst
Ich bin aufgewachsen am Rand der Schwäbischen Alb.
Felder, Wiesen, klare Luft – von außen war alles friedlich.
Doch in mir war eine wache, sensible Wahrnehmung.
Ich spürte früh, dass Worte nicht immer die Wahrheit sagen.
Dass Menschen lächeln, obwohl sie traurig sind.
Dass sie stark wirken, obwohl sie innerlich müde sind.
Ich wollte verstehen.
Aus welchem Grund so viele Menschen funktionieren, doch so
wenige wirklich leben.
Weshalb so viele überleben, jedoch kaum jemand sich selbst begegnet.
Wenn das Leben laut wird – und Sie nicht weghören können
Mit 28 hat das Leben mich nicht mehr gefragt. Es hat mich ausgebremst.
Ein Zusammenbruch. Künstliches Koma.
Viele Tage zwischen Leben und Tod.
25 Operationen. Versagen von Organen.
Als ich aufwachte, war nichts mehr wie vorher – außer dem Wissen:
Wenn ich noch einmal leben darf, dann mache ich das ganz.
Ohne Maske.
Ohne „Ich schaffe das schon“.
Ohne „Es passt schon“.
Echt. Wach. Und mit offenem Herzen.
In diesem Moment spürte ich:
Das Leben wartet nicht, bis wir bereit sind.
Manchmal ruft es uns viel zu früh.
Und manchmal beginnt genau dort unsere wahrhaftige Geschichte.

