FB-Pixel Skip to main content
Lesedauer ca.: 6 Minuten

Der Kalender ist leerer als sonst. 
Die Kinder sind im Feriencamp oder bei den Großeltern, der Terminplan hat Lücken, das Postfach füllt sich langsamer. 
Genau jetzt entsteht ein Raum, den Sie sich im Herbst nicht mehr nehmen werden.

Die meisten Paare nutzen diesen Raum für Urlaub, für Ausschlafen, für Netflix. 
Verständlich – und jedoch eine vertane Chance an der Beziehung zu arbeiten. 
Denn, während der Alltag pausiert, wird sichtbar, was sonst unter Terminen begraben liegt: die Frage, wie es Ihnen als Paar geht.

Über das ganze Jahr hinweg begleiten mich in meinem Institut Paare,
die genau diese Frage zum ersten Mal im Sommer stellen. 
Nicht, weil im Urlaub mehr schiefläuft als sonst, sondern weil dort zum ersten Mal seit Monaten die Zeit dafür vorhanden ist. 
Diese Beobachtung hat mich dazu bewegt, genau jetzt über diesen Zeitpunkt zu schreiben – für Sie, bevor der Sommer wieder verstreicht.

Der Alltag verschleiert, der Sommer zeigt es

In über 22 Jahren Paarberatung und rund 30.000 Beratungs-Gespräche sehe ich ein wiederkehrendes Muster. 
Paare kommen zu mir, sobald der Druck zu groß wird. 
Meist im Herbst, wenn Schule, Job und Familienorganisation wieder anziehen 
und keine Kapazität mehr für Beziehungsarbeit übrig bleibt.

Im Alltag funktioniert vieles auf Autopilot. 
Sie sprechen über den Kalender, über die Kinder, über die Steuererklärung. 
Was fehlt, ist das Gespräch über Sie beide. 
Der Alltag nimmt Ihnen dafür die Zeit, jedoch selten die Absicht.

Diese Verschiebung passiert langsam. 
Kein Paar entscheidet sich bewusst dafür, nicht mehr miteinander zu sprechen. 
Sie entsteht Schritt für Schritt, aus Terminen, Verpflichtungen und 
der Erschöpfung eines langen Arbeitstags. 
Nach einigen Jahren stehen zwei Menschen nebeneinander, jedoch nicht mehr gemeinsam.

Der Sommer nimmt diesen Druck für einige Wochen weg. 
Und genau das macht ihn so wertvoll: 
Sie haben jetzt die Kapazität, die Ihnen sonst fehlt. 
Diese Kapazität lässt sich nutzen damit intensiver aber stressfrei an der Beziehung gearbeitet werden kann. Manchmal wird diese jedoch ungenutzt verstreichen gelassen.

Ein Paar, das ich seit einigen Jahren begleite, hat mir genau diesen Effekt beschrieben. Während des Schuljahres blieb für Gespräche über die Beziehung kaum Zeit übrig. 
In den Ferien, ohne Hausaufgaben und Vereinstermine, entstand ein Abend, an dem beide offen aussprachen, was sich über Monate angestaut hatte. 
Dieser eine Abend veränderte die Richtung ihrer Beziehung stärker
als Monate stiller Anspannung zuvor.

Aus welchem Grund die meisten Paare den Moment ungenutzt lassen an der Beziehung zu arbeiten

Drei Muster begegnen mir immer wieder, aus welchem Grund gerade dieser Freiraum ungenutzt verstreicht.

Das erste Muster: 

Erholung wird mit Beziehungsarbeit verwechselt. 
Ein Paar denkt, gemeinsame Zeit am Strand löse automatisch, was im Alltag ungesagt bleibt. Nebeneinander liegen ist jedoch nicht dasselbe wie miteinander sprechen.

Das zweite Muster: 

die Angst, den Urlaubsfrieden zu stören. 
Viele Paare schweigen lieber, aus welchem Grund niemand 
die gute Stimmung gefährden möchte. 
Das ungesagte Thema wandert mit in den Herbst – nur schwerer als vorher.

Das dritte Muster: 

der Glaube, es sei noch zu früh oder bereits zu spät. 
„Wir haben doch gerade erst Urlaub, das muss jetzt nicht sein“ 
oder „Das Jahr ist ohnehin fast vorbei, das machen wir im Januar.“
Beide Sätze verschieben etwas, das eigentlich Aufmerksamkeit verdient.

Diese drei Muster teilen einen gemeinsamen Kern: 
Aufschub. 
Und Aufschub fühlt sich in dem Moment vernünftig an, in dem er passiert. 
Kein Paar denkt beim Verschieben eines Gesprächs, es begehe damit einen Fehler.
Erst im Rückblick zeigt sich, wie viele Sommer bereits so verstrichen sind – ungenutzt, obwohl der Raum vorhanden war.

Beachten Sie: 
Keines dieser drei Muster bedeutet, dass mit Ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. 
Es bedeutet lediglich, dass ein Gespräch fehlt, das der Alltag 
verdrängt und der Sommer ermöglicht.

Was der Sommer konkret möglich macht

Weniger Termine bedeuten mehr Raum für ein Gespräch, das länger als zehn Minuten dauert. Sie müssen nicht zwischen Kita-Abholung und Abendessen ein schwieriges Thema anschneiden. 
Sie haben einen Abend, einen Spaziergang, eine ruhige Stunde – ohne die Uhr im Nacken.

Diese Kapazität lässt sich nutzen, ohne den Urlaub zu belasten. 
Ein einziges klares Gespräch reicht oft, um eine Richtung für 
die kommenden Monate festzulegen. 
Keine stundenlange Krisensitzung, jedoch ein ehrlicher Austausch darüber, 
wo Sie als Paar gerade stehen.

Stellen Sie sich zwei Fragen, bevor der Alltag zurückkehrt: 
Was hat sich in den letzten Monaten zwischen uns verändert? 
Und was möchten wir im Herbst anders machen als bisher?

Diese beiden Fragen genügen als Einstieg. 
Sie verlangen keine Lösung, jedoch Ehrlichkeit.
Genau diese Ehrlichkeit fehlt vielen Paaren im Alltag, weil dafür schlicht die Zeit fehlt.

an der Beziehung arbeiten: aus welchem Grund dieser Zeitpunkt so viel bewirkt

Ein Gespräch über Ihre Beziehung wirkt im August anders als im November. 
Im Alltag treffen Sie es meist müde, gereizt oder unter Zeitdruck – 
nach einem Arbeitstag, kurz vor dem Zubettbringen der Kinder. 
Unter diesen Bedingungen eskalieren Gespräche schneller, als sie klären.

Im Sommer fehlt dieser Druck. 
Sie sprechen aus einer ruhigeren Verfassung heraus, nicht aus Erschöpfung. 
Genau diese Verfassung entscheidet oft darüber, ob ein Gespräch zu gegenseitigem Verständnis führt oder in einem Streit endet, der niemandem hilft.

Hinzu kommt: 
Der Herbst bringt neue Routinen mit sich, sobald er beginnt. 
Wer im Sommer eine gemeinsame Richtung festlegt, 
startet mit dieser Richtung in die neue Saison. 
Wer wartet, startet ohne sie – und läuft Gefahr, 
direkt wieder in die alten Muster zu rutschen.

Was passiert, wenn Sie diesen Moment verstreichen lassen

Der Herbst kommt zurück, mit ihm Schule, Projekte, Termine. 
Das Gespräch, das im Sommer möglich gewesen wäre, verschiebt sich erneut. 
Meist bis zur nächsten Krise.

Ich sehe in meinem Institut regelmäßig Paare, die genau diesen 
Moment über Jahre verpasst haben. 
Nicht aus Ignoranz, sondern aus Zeitmangel ist im Alltag die Energie rückläufig geworden ander Beziehung zu arbeiten.
Am Ende sitzen sie in meinem Beratungszimmer mit einem Konflikt, 
der sich über Jahre aufgestaut hat – und der im Ansatz oft 
bereits im letzten Sommer sichtbar war.

Der Unterschied zwischen einem Paar, das früh handelt, 
und einem Paar, das wartet, liegt selten am Ausmaß des Problems. 
Er liegt am Zeitpunkt. Wer früh spricht, braucht selten eine Krise als Anlass.

Aus meinem Institut kenne ich beide Wege. 
Paare, die im Sommer ein offenes Gespräch geführt haben, 
kommen im Herbst oft mit einer klaren Frage zu mir: 
Wie vertiefen wir das, was wir bereits erkannt haben? 
Paare, die diesen Moment verpasst haben, kommen mit einer anderen Frage: 
Wie retten wir, was gerade zerbricht?

Beide Wege führen zu mir. 
Der erste beginnt jedoch aus Stärke, der zweite aus Not. 
Und Ihre Beziehung verdient, dass Sie aus Stärke handeln, 
solange Ihnen diese Wahl offensteht.

Was, wenn nur einer von Ihnen diesen Moment sieht

Häufig erkennt zunächst nur einer der beiden Partner, 
dass gerade jetzt ein guter Moment für ein Gespräch wäre. 
Der andere ist im Urlaubsmodus, möchte abschalten, verdrängt das Thema bewusst.
Diese Ungleichzeitigkeit ist normal, jedoch kein Grund, das Gespräch ganz zu verschieben.

Sie brauchen keine vollständige Übereinstimmung, zu beginnen an der Beziehung arbeiten.
Ein einziger Satz reicht oft als Türöffner: 
„Mir ist etwas aufgefallen, worüber ich gerne mit dir sprechen möchte, 
wenn du bereit dafür bist.“ 
Dieser Satz übt keinen Druck aus, jedoch signalisiert er Ernsthaftigkeit.

Wichtig ist die Haltung, mit der Sie dieses Gespräch anbieten. 
Nicht als Vorwurf, sondern als Einladung. 
Paare, die diesen Unterschied verstehen, erleben deutlich seltener, 
dass ein Gesprächsversuch in einem Streit endet.

Geduld gehört ebenfalls dazu. 
Manche Partner brauchen einen Tag, um sich auf ein Gespräch einzulassen, 
andere ein paar Stunden Abstand von der Reise oder der Arbeit. 
Diese Zeit lohnt sich, solange das Angebot zum Gespräch bestehen 
bleibt und nicht in Druck umschlägt.

Achten Sie zudem auf den Rahmen. 
Ein Gespräch über Ihre Beziehung gelingt selten zwischen Koffer 
auspacken und Abendessen kochen. 
Wählen Sie einen Moment mit Ruhe – einen Abendspaziergang, 
eine Tasse Kaffee auf der Terrasse, einen Moment ohne Kinder im Raum. 
Der Rahmen entscheidet oft mit darüber, ob ein Gespräch trägt oder kippt.

Das Paar sitzt entspannt zusammen und kann an der Beziehung arbeiten

an der Beziehung arbeiten: Ihr erster Schritt – noch bevor der Alltag zurückkehrt

Sie müssen den Sommer nicht mit einer großen Aussprache verplanen. 
Ein offenes Gespräch reicht als Anfang – ehrlich, ruhig, ohne Schuldzuweisung. 
„Es reicht, wenn erst einer von Ihnen bereit ist“ – 
diesen Satz höre ich in meinem Institut oft von Paaren, 
bei denen genau einer den ersten Schritt gewagt hat.

Falls dieses Gespräch allein nicht gelingt, oder falls Sie merken, 
dass ein altes Muster wieder hochkommt, ist genau jetzt der richtige 
Moment für eine professionelle Begleitung. 
Nicht, weil Ihre Beziehung in der Krise steckt, sondern weil der Sommer 
Ihnen die Kapazität schenkt, die der Alltag sonst verweigert.

In über 22 Jahren Paarberatung habe ich einen Satz immer wieder bestätigt gefunden: 
Der beste Moment für ein Gespräch ist selten der bequemste.
Der Sommer schenkt Ihnen jedoch beides zugleich – Ruhe und Gelegenheit. 
Diese Kombination erleben Sie im restlichen Jahr kaum wieder.

Nutzen Sie diese Wochen, solange sie noch da sind. 
Ein offenes Gespräch zu Hause, ein Spaziergang zu zweit, oder eine professionelle Begleitung, 
falls Sie merken, dass Sie allein nicht weiterkommen – 
jede dieser Optionen bringt Sie näher an das, was Sie sich für Ihre Beziehung wünschen.

Der Herbst wird kommen, mit ihm die vertraute Dichte an Terminen.
Was Sie jetzt an Klarheit gewinnen, tragen Sie mit hinein in diese neue Saison.
Was Sie jetzt verschieben, wartet meist deutlich länger als geplant.

Vereinbaren Sie ein erstes vertrauliches Gespräch mit mir. 
Gemeinsam schauen wir, wo Sie als Paar gerade stehen – und welcher nächste Schritt 
für Sie beide sinnvoll ist, solange der Sommer Ihnen noch den Raum dafür lässt.

Impulsgespräch
Ihre
Sabine Lahme

Ich heiße Sabine Lahme und begleite seit vielen Jahren als geprüfte Psychologische Beraterin und systemischer Coach Paare und Einzelpersonen, die sich in einer Ehekrise, in wiederkehrenden Paarkonflikten oder in schwierigen Beziehungsphasen neu sortieren und wieder in Verbindung kommen wollen. Zusätzlich arbeite ich als Unternehmens-, Management- sowie Fach- und Führungskräfte-Coach und bin zertifizierte Mediatorin und Resilienztrainerin. Als Buchautorin, Dozentin und Speakerin vermittle ich meine Impulse außerdem in Vorträgen und Weiterbildungen – klar, menschlich und mit Blick auf das, was im Alltag wirklich funktioniert. Privat liebe ich echte Gespräche, gute Bücher und die Natur – am liebsten mit meinen Hunden oder auf Wanderwegen an der Seite meines Mannes.